inhalt
presse
gemeinderatsitzungen
mailing
mobilfunk
brauhausfest
oberstreu
shop
gästebuch
impressum

 

gemeinde oberstreu                            von architekturweb

05_10_2001/3 

 

Elektrospuk oder gefährlicher Elektrosmog?   05.10.2001 17:08

Bad Neustadt - Das Thema Mobilfunk ist derzeit ein heißes Eisen. Umstritten ist vor allem der Sender auf dem Schulberg. Eine Podiumsdiskussion in der gut  besuchten Stadthalle sollte Klarheit über Chancen und Risiken der Technik bringen. Moderator war Michael Czygan, Leiter der MAIN-POST-Redaktion Bad Neustadt.

Podiumsdiskussion in der Stadthalle: Kontroverse Meinungen zum Thema Mobilfunk

 "Die gesundheitlichen Folgen werden von der Wissenschaft zu erforschen sein", eröffnete Bürgermeister Bruno Altrichter die Debatte. Er betonte, der Standort Schulberg sei aus  funktechnischen Gesichtspunkten gewählt worden. Zweifel an der Unbedenklichkeit der Antenne habe er nicht, da die elektromagnetische Strahlung deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten bleibe. Sollten Messungen etwas anderes ergeben, werde man handeln. Der Forderung nach einer grundsätzlichen Verschärfung der Grenzwerte wollte sich Altrichter aber auch nicht verschließen. "Da schließe ich mich den Forderungen des Bayerischen Städtetags an."

 

Gerhard Schwarz, Netz-Verantwortlicher bei T-Mobil in Nürnberg, berichtete, dass der Bedarf an Sendern zuletzt regelrecht explodiert sei. Die Telekom setze die Anlagen "optisch und technisch vernünftig". Wichtigstes Kriterium für den Standort: "Ein Sender muss dort sein, wo die Kunden sind."

Gerhard Schwarz berief sich während der Diskussion wiederholt auf die Strahlenschutzkommission, die momentan keine Notwendigkeit sehe, die Grenzwerte  zu senken. Bei niedrigeren Werten werde sich die Anzahl der Sender zwangsläufig erhöhen. Es sei fraglich, ob das gewollt sei, so Schwarz.

Dr. Horst Rusche, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen im Landratsamt, sagte, auch er vertraue der Strahlenschutzkommission. Zudem seien nachweisbare Krankheitsbilder hier in der Region nicht bekannt. Er räumte aber ein, dass das Thema Elektrosmog immer wieder zu Ängsten bei der Bevölkerung führe.

Die Rolle des Skeptikers übernahm der Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing (Lübeck). Sehr wissenschaftlich erläuterte er mögliche Folgen der elektromagnetischen  Felder auf das menschliche Nervensystem. Da war von Kopfschmerzen, Atemnot, Ohrensausen und Konzentrationsstörungen die Rede. "Wir haben die Effekte, aber nicht das Wirkungsmodell", kommentierte von Klitzing die Probleme der Wissenschaft, den Elektrosmog direkt mit den Krankheiten in Verbindung zu bringen. Vor allem Langzeitstudien fehlten. Deshalb sei es durchaus sinnvoll, sensible Bereiche wie zum Beispiel Schulen, Kindergärten oder Krankenhäuser von Mobilfunkanlagen auszuschließen.

In der Gegenposition argumentierte der Biologe Dr. Rainer Wolf, dass man den Angstfaktor bedenken müsse. "Schuld ist nur die Panikmache, die Angst erzeugt",  sagte er. Elektrosmog sei nur eine rein "geistige Umweltverschmutzung", also ein "Elektrospuk". Seinem Wissensstand nach bestehe keine Gefahr. Man müsse auch die Verhältnismäßigkeit sehen. Immerhin helfe die Handy-Technologie in vielen Fällen mit, Leben zu retten.

Endgültige Lösungen konnte also auch diese Podiumsdiskussion nicht bieten, doch  war es "ein wichtiger Meilenstein, um sich ein Bild zu machen", so das Schlusswort von Moderator Michael Czygan.