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gemeinde oberstreu                            von architekturweb

 

 

Eine schweißtreibende Angelegenheit   14.10.2001 15:24

Oberstreu Auf welchen Furchen wächst am meisten Frucht? Auf den Krummen natürlich, schmunzelt Landwirt Karl Fiedler. Denn Schlangenlinien gibt es  weitaus mehr als gerade Furchen.

Brauhausfest mit Pflüge-Wettbewerb mit Pferden und einer meisterlichen Jury

 Karl Fiedler, der auch Bürgermeister von Wollbach ist, weiß, wovon er spricht. Immerhin war er 1955 in Straubing bayerischer Jugendmeister im Pflügen, wie er stolz erzählt. Sein Kollege Ludwig  Pörtner aus Oberelsbach wurde gar im Jahr darauf Zweiter bei der Deutschen Meisterschaft im Schleswig-Holsteinischen Rendsburg.

 

Die beiden Fachleute bilden zusammen mit Karl Fries aus Herschfeld die Jury beim traditionellen Brauhausfest in Oberstreu, bei dem jedes Jahr alte bäuerliche Arbeiten  vorgestellt werden. Heuer war bereits zum vierten Mal ein Wettpflügen mit Pferdegespannen angesagt.

Fünf Gespanne hatten sich angemeldet, vier waren gekommen. Und natürlich wurden sie von einem fachkundigen Publikum genau in Augenschein genommen. So mancher  der vielen Zuschauer konnte sich noch an eigene Erfahrungen auf dem Feld erinnern und gab noch schnell den einen oder anderen Tipp. Bilderbuchwetter mit Sonnenschein und blauem Himmel hatte viele Neugierige angelockt.

Karl Fiedler untersuchte den Acker mit dem Blick des Experten und befand die Voraussetzungen für bestens. Recht humorvoll erläuterte er die "Spielregeln".  Normalerweise wird 18 Zentimeter tief gepflügt, Fiedler setzte aus Kulanz auf dreizehn Zentimeter zurück. Heutzutage verfüge ja kaum einer mehr über die nötige Erfahrung.

Zuerst musste die so genannte Spaltfurche gezogen werden. Anpflügen wird dieser Arbeitsgang genannt. Auf dem Rückweg wurde "voneinander geackert", anschließend  wieder "zamm geackert". Erst dann musste die geforderte Bodentiefe erreicht sein. Bewertet wurde natürlich auch der Gehorsam der Pferde, am Ende jeder Furche musste das Zugtier brav stehen bleiben.

Insgesamt 90 Punkte gab es. Bewertet wurden das Anpflügen, der Sitz, die Spur, die Tiefe und die Stellung des Pfluges, das Ausfurchen und der Eindruck des fertigen Beetes.

"Wo senn die Gäul?", rief Fiedler die Kandidaten zusammen. Christian Söder aus Waldberg mit seinem thüringischen Kaltblut Moritz hat Erfahrung im Holzrücken. Sonst zieht sein Vierbeiner auch gerne mal den Planwagen mit Urlaubern durch die Rhöner  Landschaft. Er beeindruckte sofort mit seiner Professionalität und absolutem Gehorsam.

Lokalmatador Volker Bieber aus Oberstreu hatte sein braunes Kaltblut Fritz angespannt. Den Pflug führte Rita Werner. Die einzige Frau bei dieser  schweißtreibenden Arbeit verfügte ganz offensichtlich über viel Erfahrung.

Gleich zu Beginn zeigte dieses Team die besten Ackerfurchen und wurde schon vorab als Sieger angesehen. Doch urplötzlich nahm es der gewaltige Braune mit dem  Gehorsam nicht mehr so genau und verwandelte die schöne Furche in eine platte Ebene.

Einen bildschönen Rappen hatte Helmuth Härder aus Gollmuthhausen angespannt, den er sonst turniermäßig vor die Kutsche spannt. Genauso brav zog der stolze Friese diesmal den Pflug.

Albrecht Other aus Rappershausen spannt seine beiden polnischen Warmblut-Füchse fast täglich vor die Kutsche und ist auch auf den ländlichen Turnieren der Umgebung  gern gesehener Gast. Die Arbeit am Pflug war für Susi und Mona offensichtlich ungewohnt, doch sie machten ihre Sache prima.

Natürlich wurden die "Bauern" kräftig vom Publikum angefeuert. Einer bekam gleich  Lust, selber mitzumachen. "Ich gleb, mir welle hoim und holle unnere Gäul", forderte er seinen Freund zum Spaß auf. Die beiden Männer aus dem Nachbarlandkreis Bad Kissingen pflügen nach eigenen Angaben noch der Gaudi halber mit ihren Pferden und wollen beim nächsten Mal garantiert mitmischen.

Sieger wurde am Ende Anton Sieder. Mit nur einem Punkt Unterschied weniger landete Albrecht Other auf Platz zwei. Dritter wurde Hellmuth Härder. Der undankbare vierte Platz blieb für Volker Bieber übrig. Doch so ernst hatte ohnehin keiner die "Ackerei" angesehen. Klar, dass anschließend noch zünftig gefeiert wurde.