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gemeinde oberstreu                            von architekturweb

Anekdoten ranken sich um die alten Gerätschaften23.10.2002 16:03

Ausstellung alter und neuwertiger landwirtschaftlicher Geräte kommt
bei den Besuchern des Brauhausfestes an
Oberstreu (ger) Das Brauhausfest in Oberstreu stand heuer unter keinem
allzu glücklichen Stern. Das selbst gebraute Bier - stolze 33 Hektoliter -
floss zwar in Strömen, auch die Jugend kam beim Rockabend nicht zu kurz.
Doch der traditionelle Umzug durch die Straßen der Streutalgemeinde musste
mangels Beteiligung schlicht ausfallen.
Als Attraktion am Sonntagnachmittag war die Feldarbeit angekündigt. Gezeigt
erden sollte alles rund um das Thema "Aussaat". So wie es die Altvorderen
noch taten und es heute ganz modern üblich ist. Doch dann öffnete Petrus seine
Schleusen. Die Äcker wurden schlammig, konnten nicht mehr bearbeitet werden.
Die Verantwortlichen disponierten um zogen dafür die Ausstellung eines stattlichen
Fuhrparks aus alten und neuen landwirtschaftlichen Geräten größer auf. Experten
verschiedener Altersjahrgänge standen Neugierigen Rede und Antwort. Dicht umringt
war dabei der alte Lanz aus den 30er Jahren. Nur wenig jünger waren der stahlblaue
Ferguson, der nur eine einzige Spur bearbeiten konnte und der Fendt aus dem Jahr 1959
mit seinen damals stolzen 14 PS. Noch immer im Einsatz befindliche Traktoren trugen
sogar noch das alte Kennzeichen für Mellrichtstadt auf dem Nummernschild. Einen gewaltigen
Gegensatz bot dazu der moderne MaxxTrac mit seinen mannshohen Hinterreifen, der mehrere
Arbeitsgänge in einem gleichzeitig erledigt.
Abenteuerlich mutete wiederum die schon arg mitgenommene Sämaschine der Marke Edelweiß an,
die noch von Pferden oder Ochsen gezogen wurden. Der Landwirt musste dabei Tiere und Gerät
separat lenken. Wozu der mächtige Fünfzinker benötigt wird, wusste niemand so recht.
Doch bei den alten herkömmlichen Gerätschaften wurde eifrig debattiert. So rankten sich
viele Geschichten und Anekdoten um die einzelnen Gerätschaften.
Wenn aus einer Wiese ein Acker werden soll, sei die Schweineschnauze durch nichts zu
überbieten, wusste jemand. Und auch, dass jedes Schwein mehr kann als ein Pflug:
Gleichzeitig düngen nämlich. Ging vor einem Jahrhundert der Bauer noch mit dem Saatkorb
über der Schulter hängend über seinen Acker und warf den Samen per Hand aus, erledigte
er dies später maschinell. Tiere zogen das Gerät, dessen Herzstück die gefüllte Kornkammer
war, der Bauer musste "nur noch" lenken.
Erstaunt hörten einige Besucher, dass es keinerlei Faustregeln über das Ausbringen der Saat
gebe. Zu individuell seien die jeweiligen Bodenverhältnisse, mit entscheidend seien auch das
Wetter und die klimatischen Bedingungen. Abenteuerlich mutete die Egge an, die noch aus Holz
gefertigt nur mit Zinken beschlagen war. Modernere Versionen standen daneben wie Federzahn-,
Scheiben- und Zinkenegge.
Was viele Bauern als Unkraut bekämpfen, nannte ein ökologisch verantwortungsbewusster
Landwirt schlicht "Pflanze am falschen Platz", der man mit Hacken ebenso gut beikommen
könne wie mit Chemie. Die vielen Kinder indes bestiegen mit Wonne die Fahrzeuge.