|
Der Dorffrieden in Mittelstreu ist durch die geplante Umgehungsstraße zurzeit gestört.
Auf der einen Seiten die Gegner, die um die ökologische Vielfalt im Bereich zwischen Streu und Bahnlinie fürchten, auf der anderen die Befürworter, in erster
Linie Anlieger der Hauptstraße, die eine Entlastung vom dichten Verkehr der B 19 herbeisehnen. Bei einem Pressegespräch, zu dem der Bund Naturschutz geladen hatten, prallten die Interessen aufeinander. Helmut
Schultheiß, Regionalreferent vom Bund Naturschutz, hatte etwas Mühe, sich Gehör zu verschaffen, um die Planungen zu erklären und seine Bedenken vorzubringen. Sie bestehen in erster Linie im Hinweis auf die
Zerstörung eines Naherholungsgebietes und eines wertvollen Lebensraumes vor allem für Vögel. So bestätigte der ornithologische Fachgutachter Dr. Stefan Kneitz, dass in dem betroffenen Bereich rund 60 Vogelarten
vorkommen, von denen neun auf der Roten Liste als geschützt aufgeführt sind.
Ebenso kritisierten die Naturschützer den geplanten "ökologischen" Ausbau der Streu. Einerseits rechnet Ortsvorsitzende
Gertrud Illig mit einem nur schwer wieder gut zu machenden Eingriff in die Natur, andererseits befürchtet sie negative Auswirkungen auf die Hochwassersituation.
Matthias Liebst wies dagegen darauf hin, dass
der betroffenen Bereich kein natürliche Umgebung sei, sondern ein von Menschenhand geschaffenes Gelände, dessen Baumbestand zum Beispiel kaum Wertvolles enthielte. Der Streu-Ausbau habe mit der Entlastungsstraße
außerdem nichts zu tun.
Schultheiß wundert sich dagegen über das gesamte Vorhaben. Nach einem von der Autobahndirektion in Auftrag gegebenen Gutachten soll mit der A 71 der Verkehr in Mittelstreu um
etwa 70 Prozent auf etwa 5700 Fahrzeuge sinken. Üblicherweise werden Entlastungsstraßen aber erst bei etwa 10 000 Fahrzeugen in Betracht gezogen. Er folgert daraus, dass entweder die Prognose nicht zutreffe oder die
Entlastungsstraße überflüssig sei.
Außerdem bezweifelt er die Entlastungswirkung einer Umgehungsstraße. So soll laut verschiedenen Gutachten die subjektiv wahrgenommene Entlastung erst bei einem viel
niedrigeren Aufkommen erfolgen, als dem, das trotz Umgehungsstraße voraussichtlich noch gegeben ist.
Er forderte daher, die Planungen für die Umgehungsstraße aufzugeben und ein Konzept für eine innerörtliche
Verkehrsberuhigung mit einem Ausbau der historischen Streubrücke zu erstellen. Sollten die Planer an ihrem Vorhaben festhalten, hält er es für sinnvoll, erst die tatsächliche Entwicklung des Verkehrs auf der B
19 abzuwarten. Sollte das Aufkommen über der Prognose liegen und die Entlastungsstraße sich als unverzichtbar erweisen, sollte zumindest auf die Verbindungsstraße zwischen nördlichem Ortsausgang und Umgehungsstraße sowie einen Kreisel verzichtet werden.
|