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- Drei Quellen liefern das Wasser
Mittelstreu (m.O.) Die
Sitzung des Wasser-Zweckverbandes Mellrichstädter Gruppe begann mit einer Besichtigung des Wasserwerkes Schweinhof der Stadtwerke Bad Neustadt. Werkleiter Ewald Geis erläuterte den Gästen die Arbeitsweise der
hochmodernen Ultrafiltrations-Anlage in allen Einzelheiten.
Im Sitzungsraum des Wasserwerkes in Mittelstreu wurde die Tagesordnung fortgesetzt. Erfreuliche Gesichter gab es bei der Bekanntgabe der
Schlussrechnung für die Aktiv-Kohle-Filteranlage, deren Kosten rund 10 000 Mark unter dem Voranschlag lagen. Inklusive der Ingenieurkosten von 368 900 Mark beliefen sich die Gesamtkosten auf 2 932 000 Mark.
Durch Umlagen wurden 2 825 000 Mark eingehoben, der Restbetrag von rund 107 000 Mark gemäß Verbands-Versammlungsbeschluss den Rücklagen entnommen.
Die Verbandsräte nahmen sodann Kenntnis vom
Rechnungsergebnis des Geschäftsjahres 2001. Der Verwaltungs-Haushalt stand dem Ansatz von 790 000 Mark ein Abschluss von 738 236 Mark gegenüber. Überplanmäßige Ausgaben wurden durch einstimmigen Beschluss
genehmigt.
Sehr aufschlussreich war der Bericht von Wassermeister Arthur Omert. Die Lochmühlquelle wies im September mit 127 Sekunden-Litern die Mindest-Schüttung und im März mit 477 Sekunden-Litern die
Höchst-Schüttung auf. Bei der Mittelmühlquelle wurden zu den gleichen Zeitpunkten fünf bzw. 32 Sekunden-Liter und bei der Wörthquelle ebenfalls zeitgleich 35 bzw. 208 Sekunden-Liter gemessen. Die
Mindest-Schüttung aller drei Quellen zusammen betrug somit 167 Sekunden-Liter.
Die gesamte Wasserförderung betrug 806 910 Kubikmeter, die gesamte Wasser-Verlustmenge in allen Mitglieds-Gemeinden wurde
mit 6,28 Prozent (=29 940 Kubikmeter) errechnet. Im Jahre 2002 gab es insgesamt 30 Rohrbrüche. Die Wasserbeschaffenheit beträgt 18,9 Härtegrade (Härtegrad 3), Nitrat wurde mit 23 bis 43 Milligramm pro Liter
gemessen. Pflanzenschutzmittel wurden nicht mehr festgestellt. Die Wasser-Untersuchungen erfolgen alle 14 Tage.
Der Wassermeister führte insgesamt zehn Besuchergruppen durch das Werk, besuchte
Fortbildungskurse und organisierte selbst Fachvorträge. Im August musste ein neues Lecksuchgerät angeschafft werden.
Zum Abschluss seiner Ausführungen wies Arthur Omert auf die seit 1. Januar 2003
geltende neue Trinkwasser-Verordnung hin. Neuerdings müssen nun auch geprüfte Wassermeister in das Akkreditierungs-System der einzelnen Laboratorien eingebunden sein, wenn sie Wasserproben entnehmen. Dies
bedeutet die Ablegung einer zusätzlichen Prüfung, obwohl sie bereits entsprechend ausgebildet sind. Ein schönes Fleckchen Natur soll Asphalt weichen Mittelstreu
- Die beliebten Frühjahrs-Kräuterwanderungen mit Gertrud Illig vom Bund Naturschutz in und um Mittelstreu könnten bald gezählt sein. Grund ist die
geplante vierspurige Entlastungsstraße durch den Ort (wir berichteten).
"Ich wollte noch einmal zeigen, wie schön dieses Fleckchen Natur ist, das nun für dieses sinnlose Straßen-Projekt weichen
muss", sagt Gertrud Illig bei ihrer Kräuterwanderung im Rahmen des Ferienprogramms. 18 Erwachsene und vier Kinder folgten der Einladung von Bund Naturschutz und der Bürgeraktion "B 19/A 71" zur
Frühjahrs-Veranstaltung "Wilde Delikatessen am Wegesrand".
Viele der Anwesenden waren sich gar nicht bewusst, dass dies womöglich das letzte Kräuter sammeln an der Streu gewesen ist. "Was,
das soll alles weg hier?", fragt ein Mann aus Unsleben ungläubig und zeigt mit dem Finger auf eine riesengroße Wiese vor dem Auwald, die gespickt voll mit Wildkräutern wie Schafgarbe, Wiesenbärenklau,
Beifuß, Girsch, Wiesenkerbel und Beinwell ist. "Das ist ja purer Wahnsinn."
Mit der geplanten vierspurigen Ortsumgehung soll der Durchgangsverkehr aus Mittelstreu heraus gehalten werden, sagt
Bürgermeister Stefan Ledermann auf Anfrage der MAIN-POST. Der Verkehr werde im Mai beziehungsweise Juni, wenn der Autobahntunnel in Thüringen frei gegeben wird, drastisch zunehmen, ist er sicher.
Das
sieht Ingrid Wecklein-Einhorn von der Bürgeraktion "B 19/ A 81" nicht so, im Gegenteil. Sie ist gegen den Bau der Ortsumgehung. "Mehr Straßen ziehen auch immer mehr Verkehr an", sagt
Wecklein-Eichhorn bei der Wanderung. "Hier wird ein einzigartiger Lebensraum von vielen Tieren und Pflanzen unwiederbringlich zerstört."
Die Gruppe der Kräutersammler hört interessiert zu. Es
geht nur schrittweise voran - zu reichhaltig ist das Angebot an frischen Kräutern, auf die Kräuter-Expertin Gertrud Illig immer wieder verweist. Wie zum Beispiel an einem Grundstück an der Streu. Ein
beachtliches Areal von 250 Quadratmetern mit vier Fischteichen und unzähligen Kräuter- und Baumarten. Sie erzählt: "Die Besitzerin hier ist die Letzte, die den Plänen der Gemeinde noch nicht zugestimmt hat.
Quer durch ihr Grundstück soll die geplante Entlastungsstraße verlaufen." Die Frau werde von der Gemeinde bedrängt, ihre "sauren Wiesen im Hochwassergebiet" zu verkaufen, so Illig. "Sie
braucht moralische Unterstützung."
"Ich will dieses Paradies nicht hergeben", sagt die Besitzerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, am Ende der Wanderung zu den Kräutersammlern.
Zu viel Ärger habe es schon gegeben. Die Besucher lassen sich derweil die Kräuterbowle samt Kräuterquarkbroten in ihrem Garten schmecken. "Hier steckt all meine Kraft und Liebe drin."
Die
letzten Wochen und Monate haben Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen. Sie wirkt niedergeschlagen. Im März verkaufte - als Vorletzter - ihr Nachbar seinen Grund samt Haus an die Gemeinde. Jetzt ist nur noch sie
übrig geblieben. "Das ist ein Paradies hier, das mir weggenommen werden soll und damit verloren geht", meint sie. "Und nicht nur für mich, sondern für alle."
Das sieht Bürgermeister
Stefan Ledermann anders: "Von weg nehmen kann keine Rede sein." Auch werde kein Paradies zerstört, ganz im Gegenteil. "Wir schaffen eine neue Idylle hier. Die Mittelstreuer können, wenn die
Umgehung kommt, an der Streu spazieren gehen, ohne eine Straße überqueren zu müssen." Alles was an Natur verloren ginge, werde wieder nach gepflanzt. Ledermann wehrt sich gegen den Vorwurf, die Gemeinde
habe Leute bedrängt, zu verkaufen. Auch im Fall besagter Dame nicht. "Vielleicht benötigen wir ihre 250 Quadratmeter Fläche gar nicht."
Außerdem verkennen die Kritiker, so Ledermann, dass 90
Prozent der Einwohner die Entlastungstraße wollen. Ob und wann sie gebaut werde, sei noch offen. Erst wenn die Genehmigung vom Landratsamt auf den Tisch liegt, kann's losgehen.
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