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gemeinde oberstreu                            von architekturweb

Die neue Streu gibt die Richtung vor
 
Mittelstreu (FG/m.o.) Die Bagger sind schon angerückt in Mittelstreu. Aber noch haben die Bauarbeiten an der B19 nicht direkt mit der Umgehungsstraße zu tun. Dafür wird schon einmal die Streu verlegt und renaturiert.
 
Seit einigen Tagen tut sich etwas am Ortseingang von Mittelstreu. So mancher dachte vielleicht, die Ortsumgehung wird bereits in Angriff genommen. Aber bis dahin ist es für Bürgermeister Ledermann und die Befürworter einer Umgehung noch ein weiter, vielleicht auch steiniger Weg.

Die derzeit laufenden Arbeiten haben nur indirekt mit der Umgehung zu tun. Wie Gerhard Buhlheller, örtlicher Bauleiter vom Wasserwirtschaftsamt Schweinfurt, erklärt, sind gerade die Arbeiten zur Verlegung der Streu in Gange. Auf einer Strecke von rund 350 Metern wird die Streu um einige Meter in Richtung B 19 verlegt. Für diese Maßnahme erging Anfang des Jahres die wasserrechtliche Genehmigung.

Sie hat direkt mit der Umgehung nichts zu tun, ist aber freilich die Voraussetzung für den geplanten Trassenverlauf der Entlastungsstraße, die teilweise auf dem jetzigen Flussbett der Streu führen würde. "Teile des alten Gewässers bleiben dabei als Alt-Arme erhalten", erklärt Heinz Perzlmeier, Bauoberrat beim Wasserwirtschaftsamt. In diese Altarme kann dann auch das Wasser aus überfließenden Quellen in diesem Bereich fließen, erklärt der Fachmann.

"In vier bis sechs Wochen wollen wir das Gröbste erledigt haben", so Perzlmeier weiter. Bis zum nächsten großen Hochwasser im Frühjahr soll die Umbettung der Streu abgeschlossen sein. Denn großer Wert wird auf großzügige Retentionsflächen gelegt, in denen sich das Hochwasser ausbreiten kann. Rund 100 000 Euro sind für die Maßnahme veranschlagt. Zehn Prozent davon übernimmt die Gemeinde Oberstreu, 40 Prozent kommen vom Bezirk Unterfranken, die verbleibende Hälfte zahlt der Freistaat. Während die Streu also bald in neuen Bahnen verläuft, hat sich beim Thema Umgehungsstraße noch nicht viel getan. Immer noch verweigert ein betroffener Anwohner, Grundstücksflächen für die neue Trasse zur Verfügung zu stellen, während vierzig andere Anwohner mit der Gemeinde handelseinig wurden. Wie es heißt, befürchtet der Anwohner eine erhöhte Hochwassergefahr, diese Ängste konnten auch Stellungnahmen der Fachbehörde nicht nehmen.

Ein letztes Gespräch
Wie Bürgermeister Stefan Ledermann gegenüber der MAIN-POST aber erklärt, steht ein weiteres Gespräch unmittelbar bevor, an dem auch Landrat Thomas Habermann teilnehmen will. Kurz vor der Fertigstellung stehe auch der Bebauungsplan für die Umgehung, der dann seinen üblichen Weg (Stellungnahme der Träger öffentlicher Belange usw.) gehen würde.

"In etwa einem halben Jahr", so schätzt Ledermann, wäre der Bebauungsplan mit eventuellen Änderungen dann soweit, rechtskräftig zu werden. Sollte bis dahin keine Einigung mit dem unwilligen Anwohner erzielt sein, denkt Ledermann darüber nach, über eine Prüfung auf Gemeinwohl beispielsweise eine Enteignung anzustreben. Die weitaus meisten Mitbürger wollen laut Ledermann den Verkehr so schnell wie möglich aus dem Innerort heraus haben.

Ausgangspunkt für die Umgehungsstraßen-Pläne war ein Gemeinderatsbeschluss vom 26. August 1996. Damals wollte das Straßenbauamt die B  19 zwischen Ober- und Mittelstreu ausbauen und eine neue Brücke errichten lassen, um die denkmalgeschützte Engstelle  Nepomuk-Brücke zu umgehen. Eine "Interessengemeinschaft Ortsverkehr Mittelstreu", die durch den Wegfall des "Tempo-Puffers Nepomuk-Brücke" ein erhöhtes Gefahrenpotenzial befürchtete, setzte die Ablehnung dieses Bauvorhabens durch. Stattdessen begann der Gemeinderat, die notwendigen Schritte für eine Umgehungsstraße einzuleiten. In einer Unterschriftenliste hatten sich 372 Personen gegen die Straßenbauamts-Pläne ausgesprochen. Kurioserweise auch Leute, die sich jetzt gegen die Entlastungsstraße stark machen, so Ledermann.

Bereits im Januar 2001 arbeitete der Landschaftsarchitekt Michael Mock vier mögliche Varianten für eine Ortsumgehung aus, die der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern vorgelegt wurden. Der von der Gemeinde gewählten Variante wurde zugestimmt. Diese Variante sieht im einzelnen vor:

Verlegung der Trasse der B 19 (in südl. Richtung gesehen) ab dem Bereich der Pflanzbeete nach rechts, Zuführung in einen Kreisverkehr im Bereich des jetzigen Bolzplatzes des TSV. Vom Kreisel aus erfolgen die Anbindung des Fuß- und Radweges zur Riethe mit Zufahrtsmöglichkeit zum TSV-Heim (Kreiselausfahrt), die Weiterführung der Entlastungsstraße (Kreiselausfahrt) unmittelbar am Bahnkörper entlang bis zur Einmündung in die B 19 südlich von Mittelstreu mit Einbeziehung der Ortsverbindungsstraße nach Frickenhausen und die Anbindung der Ortschaft Mittelstreu (Kreiselausfahrt) über eine neue Brücke zum nördlichen Ortseingang.

Der bisherige Flächennutzungsplan der Gemeinde wurde im Oktober 2001 geändert. Insgesamt 44 Behörden und Dienststellen stimmten zu oder gaben keine Stellungnahme ab. Durch die Bürgerschaft wurden während der öffentlichen Auslegung keine schriftlichen Anregungen schriftlich oder niederschriftlich vorgetragen. Die Untere Naturschutzbehörde stimmte ebenfalls zu, zumal die Gemeinde vortrug, dass der zunehmende Verkehrsdruck für die Anwohner zu unzumutbaren Lebensverhältnissen geführt habe. Auch das Landratsamt gab im Februar 2002 sein Plazet.

Im August 2002 sprachen Bürgermeister Stefan Ledermann, VG-Geschäftsstellenleiter Peter Schmitt, Ein Vertreter des Planungsbüros Maier in Würzburg sowie Vertreter der Regierung von Unterfranken und des Straßenbauamtes Schweinfurt bei der Obersten Baubehörde in München vor.

Finanzierung
Es gelang, eine sehr gute Finanzierung auf die Beine zu stellen. Auf die Gemeinde Oberstreu-Mittelstreu käme bei dem in Aussicht gestellten Zuschuss ein Eigenanteil von zirka 190 000 bis 200 000 Euro zu. Ledermann legt Wert auf die Feststellung, dass keine Kosten (etwa durch eine Umlage) auf die Bürger zukommen. Der Eigenanteil ist ganz Sache der Gemeinde.

Bürgermeister Ledermann fasst die aus seiner Sicht wichtigsten Vorteile einer Umgehungsstraße zusammen:

· Einher mit der Verkehrsberuhigung gehe eine deutlich verringerte Gefahr, insbesondere für Kinder und ältere Menschen.

· Eine erheblich verbesserte Verkehrsanbindung des TSV-Geländes und der Riethe. Eine weitere Verbesserung durch den bereits zugesagten Bau einer Abbiegespur auf der B  19 in Höhe der Bahnunterführung zur Riethe.

· Mit dem Wegfall der Einmündung an der Nepomukbrücke Richtung TSV-Heim würde eine besondere Gefahrenquelle verschwinden.

· Die Gefährdung der Fußgänger und Radfahrer im Bereich der Engstelle der Nepomukbrücke würde entfallen.

· Durch den Kreisverkehr im Bereich des jetzigen Bolzplatzes würde eine Verkehrsberuhigung erzielt, die durch so genannte Geschwindigkeits-Trichter noch forciert würde.

· Eine Fußgängerüber- oder -unterführung am Kreisverkehr wurde von den Fachbehörden abgelehnt. Für Fußgänger werden im Kreiselbereich bei allen Einfahrten in der Fahrbahnmitte kleine Verkehrsinseln angebracht, so dass sie nach hälftiger Überquerung kurz verweilen und nach Umschau die zweite Straßenhälfte überqueren können.

Das wasserrechtliche Verfahren ist bereits im Gange. Ledermann betonte nochmals, dass durch eine Entlastungsstraße auch bei starkem Hochwasser keine erhöhte Gefährdung sowohl des Anwesens der Anliegerin als auch des Nachbaranwesens gegeben sei.

Entwicklungschancen
Das im Trassenbereich der Entlastungsstraße gelegene Wohnhaus May wurde von der Gemeinde bereits erworben, weil das Straßenbauamt wegen des Zustandes der alten Nepomuk-Brücke auf jeden Fall eine neue Verkehrsführung durch einen Brücken-Neubau schaffen wird, selbst wenn es nicht zu einer Umgehungsstraße kommen sollte.

Dann würde der gesamte Verkehr (wie ursprünglich im Jahre 1996 angedacht und wie heute praktiziert) mitten durch Mittelstreu geleitet.

Durch die Lage der Trasse randlich der Streuaue bei gleichzeitiger Bündelung mit dem Schienenweg sind nach Meinung des Gremiums die Eingriffe in Natur und Landschaft erheblich minimiert.

Eine ursprünglich angedachte Trasse für eine Umgehungsstraße direkt am Ortsrand bzw. quer und mittig durch die Streuaue hätte wesentlich massivere Eingriffe in Natur und Landschaft zur Folge gehabt. Bleibt noch festzuhalten, dass ein Plan für die künftige Begrünung und Bepflanzung des Umgriffs der Entlastungsstraße ausgearbeitet ist, so Ledermann.

Der wehrt sich am Schluss gegen Kritiker. "Ich will mir hier kein Denkmal setzen. Es geht allein um das Wohl der Bürger", so das Ortsoberhaupt. Und er blickt dabei in eine rosige Zukunft für Mittelstreu: "Denken Sie doch, was man im Innerort dann alles für die Leute machen kann, auch für Gastronomie und Geschäftsleute".